Ziegel aus Aspern
Der Baustein „Ziegel“ hat eine sehr lange
Geschichte. Fest steht, dass er am Beginn
aller uns bekannten Kulturen schon verwendet
wurde. In unseren Breiten lag bis
etwa 1800 die Ziegelherstellung in den
Händen umherziehender italienischer Familien.
Bei geplanten Bauvorhaben suchten
sie Tonvorkommen, produzierten die
benötigten Ziegel, halfen meist noch beim
Bau und zogen dann zur nächsten Baustelle.
Auch Grafschaften, Klöster und viele Gemeinden
hielten sich eigene Ziegelwerke.
Produziert wurde nur für den eigenen
Bedarf und so ist erklärlich, dass es in Österreich,
historisch gesehen, ca. 5.000 Ziegelwerke
und etwa 20.000 Ziegelmonogramme
gab.
Auch die Gemeinde Aspern produzierte ab 1776 ihre Ziegel mit dem Monogramm GA selbst. Wegen Kommissionierung der Äcker wurde das Ziegelwerk aufgelöst. Weitere Ziegelöfen in Aspern waren im Besitz folgender Familien:
Karl Reiter (KR)
ab 1885 –
Hausfeld (-straße, Pilotengasse); - Johann Kiesling (JK) – Raasdorferstraße, Unteres Feld (heute Böckingstraße);
- Georg Schramml (Monogramm GSCH) – Neuer Neuriß (Saltenstraße);
- Angst und Reiter (A&R) – Mittleres Hausfeld.
Die Produktion der Ziegel erfolgte meist in der Nähe einer Ton- bzw. Lehmschicht im Boden. Das abgegrabene Material wurde am „Tretplatz“ durch Treten mit bloßen Füßen aufbereitet, von Steinen und Mist gereinigt und mittels Scheibtruhen zum „Arbeitstisch“ gebracht. Sogenannte Loren, offene Eisenbahngüterwägen auf Feldbahnschienen, kamen bei größeren Entfernungen – wie bei Karl Reiter – zum Einsatz. Um die Model (Form) kompakt auszufüllen, wurde die teigige Lehmmasse händisch in die „gewässerte“ und mit Sand ausgestreute „gesandelte“ Model „eingeschlagen“. Daher der Spruch „Ziegel per Handschlag“.
Mit dem „Streifholz“ zog man den überschüssigen
Lehm ab, wendete die Model
und schlug den weichen Ziegel heraus.
Nach einer 10-14-tägigen Lagerung im
Freien konnte man den luftgetrockneten
Ziegel im holzbeheizten „Feldziegelofen“
brennen. Mit dem weichen Holz aus der
Lobau erreichte man nicht die nötige
Brenntemperatur von 900 °, also mussten
die Asperner Ziegelbrenner sich Buchenholz
aus dem Wienerwald besorgen. Das
Resultat: 1A Ziegel im alten Format
30x14cm „MADE IN ASPERN“.
Durch den Konkurrenzdruck der schon weitgehenden maschinell hergestellten „Wienerberger Ziegel“ im neuen Format von 24x12 cm wurden die kleinen Ziegelwerke unrentabel und 1907 stillgelegt.
Johannes Holba


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