Die Pfarrchronik von 1901 berichtet
Als
vor 100 Jahren Aspern immer größer wurde
Viel und häufig Schnee und große Kälte, bis -17°.
Es froren auch viele Bäume ab. War die Winterfeuchtigkeit groß
so blieb der Frühlingsregen ganz aus. Es regnete bis heute, wo ich
dies schreibe (15. Juni) nicht. Ich habe so eine Trockenheit noch nicht
erlebt. Man ist verzagt und fürchtet um die Ernte. Bei der Kommassierung
erhielt die Pfarre mehr Äcker. Obergeometer Lehmert fertigte fürs
Pfarrarchiv einen Plan an.
Auch heuer nimmt die Bautätigkeit nicht ab. Ich fürchte, dass
die Pfarre einmal räumlich sehr ausgedehnt werden dürfte. Dass
natürlich mit der Zunahme der Bevölkerung verschiedene von uns
Priester nicht gerne gesehene Elemente mit eindringen, ist leider zu wahr.
Es wird da wahr, was beim Propheten Jesaias steht: "multiplicati
gentem et non multiplicati leatitiam (Das Volk hat sich vermehrt, aber
nicht die Freude)".
Natürlich nehmen auch die Kinder immer mehr zu. Mit 1. Jänner
dieses Jahres wurde die 2. Klasse geteilt in a) u. b) und wird letztere
als Parallelklasse weitergeführt. ("Natürlich bekommt -
nach der Aschenbrödelgesetzgebung für den Klerus -der Katechet
für die 2 Stunden nichts!")
Als ich vor 17 Jahren als Kooperator hierher kam, gab es 2 Klassen. Bei
der Volkszählung 1890 wurden 1062 Kinder gezählt. 1900 hingegen
1542 also eine Zunahme von 50 %.
Am
21. Mai, dem Gedenktag der Schlacht, hielt ich die Gedenkrede. Zum 1.
Male war Musik zugegen und auch der Veteranenverein von Groß Enzersdorf
war ausgerückt. Die Kinder wurden im Gasthaus mit einer Jause von
den Offizieren bewirtet. Die Feldmesse war um 9 Uhr bei schlechtem Wetter.
Am 24. Juni feierte der Wirtschaftsbesitzer und Gemischtwarenhändler
Josef Kerbler mit seiner Ehegattin Anna Maria geb. Starnberger das Fest
der Goldenen Hochzeit. Ich holte vom Hause alle
Teilnehmer ab und hielt
in der Kirche vor der Zeremonie eine der Feier angemessene Ansprache.
Die Kirche war aufs Schönste beleuchtet und geschmückt. "Die
ältesten Leute" behaupten, dass vor 70 Jahren auch eine goldene
Hochzeit gewesen sein soll. Seit dieser Zeit aber sicher nicht!
Pfarrer war damals Josef Jeglinger, der auch die Chronik schrieb.
Johannes Holba


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