Der Englische Gruß
ist nicht, wie viele irrtümlich glauben,
eine Grußformel in englischer Sprache,
sondern die Begrüßung Mariens durch
den Engel Gabriel. Jeden Tag laden die
Glocken früh – mittags – abends (bei uns
in Aspern um 7, 12 und 20 Uhr) die
Christen zum Gebet des „Engel des
Herrn“ und zur Betrachtung der
Menschwerdung Jesu ein. Aber in der
Karwoche - ab dem Gloria der Gründonnerstagsmesse
- schweigen die Kirchenglocken.
Nach althergebrachter liebevoller Erklärung für die Kinder „fliegen die Glocken nach Rom“ und an Stelle ihres Läutens treten die Ratschen in Aktion. Der alte, bis ins sechste Jahrhundert zurückreichende germanische Kulturbrauch, durch Lärm die schlafende Natur zu wecken (damals gab es noch keine Glocken) entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Glockenersatz. Der frohe Charakter des Glockengeläutes, der nicht in die Trauerstimmung zum Gedenken an Jesu Leiden und Tod passte, wurde durch das Geknatter der Ratschen ersetzt.

Traditionsgemäß ist es die Aufgabe der Ministranten, als „Ratschenbuam“ (und heute auch als Mädchen) zu den üblichen Läutezeiten mit ihrem Ratschen und Sprüchen die Menschen zum Innehalten, zum Beten und zum Kirchbesuch zu erinnern. Wenn dann am Karsamstag die Glocken mit jubelndem Klang die Auferstehung verkünden, haben die Ratschen wieder für ein Jahr Pause. Nun kann das „Trinkgeld“ (Ostereier, Süßigkeiten und gelegentlich auch Geld), das die Kinder bei ihrem letzten Ratschengang bekommen haben, untereinander aufgeteilt werden. Diesen alten Brauch findet man meist nur mehr am Land, in den Städten ist er schon fast „ausgestorben“.
Nachdem Gerhard Schmiedpeter Mitte
der Neunzigerjahre das Ratschen reaktiviert
hatte, ist das Projekt nach 2001
wieder eingeschlafen. 2008 haben sich
aber Kinder und Jugendliche gefunden,
die diese Tradition weiterführen möchten.
Johannes Holba


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